Kolumne


Der teuerste Platz im Tierheim

Wenn über Tierheime gesprochen wird, denkt man meist an Futter, Tierarztkosten und engagierte Ehrenamtliche. Das Bild ist vertraut: Menschen, die nach Feierabend Hunde ausführen oder Katzen versorgen.

Doch Tierheime sind nicht nur Orte der Tierliebe. Sie sind auch Betriebe. Gebäude müssen beheizt werden, Anlagen gewartet, Wasser aufbereitet, Müll entsorgt. Mitarbeiter müssen bezahlt, Versicherungen abgeschlossen und Vorschriften eingehalten werden.

Ein Tierheim betreibt im Grunde eine kleine Infrastruktur: Küche, Lager, Waschbereiche, Quarantänestationen, Technikräume. Dazu kommen Energie, Reinigung, Dokumentation, Sicherheitsvorschriften und behördliche Auflagen.
Jede Tür, jede Leitung und jedes Gerät verursacht Kosten – nicht nur beim Bau, sondern über Jahrzehnte. Während die Öffentlichkeit meist über Tierarztkosten oder Futterspenden spricht, entsteht der größte Aufwand oft im Hintergrund: im Betrieb der Gebäude, der Technik und der täglichen Abläufe.

Tierheime funktionieren deshalb weniger wie ein Zuhause für Tiere, sondern eher wie ein kleiner Betrieb mit vielen unsichtbaren Aufgaben. Wer nur auf das Tier schaut, übersieht schnell das System, das jeden Tag im Hintergrund laufen muss.

Die größte Ausgabe eines Tierheims ist deshalb oft nicht das Tier – sondern das System rund um das Tier.
Darüber wird erstaunlich selten gesprochen.


Autorin: Silvia H. Steinweber – neutrale Lösungsarchitektin für Tierheime & Kommunen.