Kolumne


Vorhaltekosten – der stille Kostenfaktor der Tierheime

In vielen Diskussionen über Tierheime wird über einzelne Kosten gesprochen: Tierarztkosten, Futter, medizinische Versorgung oder Personal. Diese Ausgaben sind sichtbar und leicht verständlich.

Doch ein großer Teil der tatsächlichen Kosten entsteht unabhängig von einzelnen Tieren. Tierheime müssen jederzeit bereit sein, Tiere aufzunehmen – auch dann, wenn gerade nur wenige Tiere im Haus sind.

Dafür braucht es Gebäude, Technik, Quarantänebereiche, Lager, Waschbereiche und sichere Unterbringung. Diese Infrastruktur muss ständig betriebsbereit sein. Heizungen laufen, Anlagen werden gewartet, Personal steht bereit.

In der Wirtschaft nennt man solche Ausgaben Vorhaltekosten. Sie entstehen allein dadurch, dass eine Einrichtung jederzeit einsatzfähig bleiben muss.

Genau dieses Prinzip kennen auch andere Bereiche der öffentlichen Infrastruktur. Feuerwehr, Rettungsdienst oder Krankenhäuser funktionieren nach ähnlichen Logiken: Sie müssen bereitstehen, bevor ein Einsatz entsteht.

Tierheime erfüllen in gewisser Weise eine vergleichbare Rolle für Fund- und Sicherstellungstiere.

Die eigentliche Herausforderung vieler Tierheime liegt daher weniger in einzelnen Fällen – sondern in der dauerhaften Vorhaltung einer funktionierenden Infrastruktur.

Wer über Finanzierung spricht, muss deshalb auch über diese strukturelle Besonderheit sprechen.


Autorin: Silvia H. Steinweber – neutrale Lösungsarchitektin für Tierheime & Kommunen.